Das Land der Hääl-Fee

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Klima am Ende der Eiszeit
Eine internationale Forschergruppe mit Berner Beteiligung wies mit einer detaillierten Studie auf einen abrupten Klimawandel am Ende der letzten Eiszeit hin. Die aus einem über 15’000 Jahre alten Eisbohrkern aus Grönland erforschten Daten über die damaligen Temperaturen, den Niederschlag sowie die Staub- und Meersalzpartikel zeigen gemäss den Forschenden auf, dass sich sich das Klima im Nordatlantik quasi von einem Jahr auf das andere änderte. Konkret zeigen die Ergebnisse, dass sich das grönländische Klima vor 14’700 Jahren innerhalb weniger Jahrzehnte um über 10° Celsius erwärmte.

Dieser grosse Klimawandel bedeutete das Ende der letzten Eiszeit. Die grossen Eisschilde im Norden und über den Alpen schmolzen ab und gaben Land frei, das für viele Tausende von Jahren von kilometerdicken Eisschilden bedeckt gewesen war.

Hääl
Die grossen Eisschilde schmolzen dahin und das nicht mehr im Eis gebundene Wasser strömte zurück in die Ozeane, was einen merklichen Anstieg (ca. 150m) des weltweiten Meeresspiegels verursachte.

In der altgermanischen Geschichtsschreibung wurden diese riesigen Eisschilde auch als Burg der Hel benannt, nach dem Namen der Totengöttin oder Eiskönigin.

Hel oder wie heute noch auf Schweizerdeutsch gesprochen Hääl ist das Wort für rutschig oder glatt, also wenn die Aussentemperaturen unter Null sind, d.h. wenn es gefroren ist. Die Burg der Hel oder Hääl ist also ein Schild aus gefrorenem Wasser.

Das Land der Alpen, das unter den sich zurückziehenden Gletscherflüssen der Hääl freigegeben wurde, nannten die damaligen Menschen das Land der Hääl-Fee, das Land, in dem nichts als der Geist (Fee) der Hääl, der Eiskönigin, zurückgeblieben war und aus dem vier grosse Flüsse in vier Himmelsrichtungen in verschiedene Meere flossen.

Noch heute zeugt das Wappen der Schweiz mit dem Schweizerkreuz vom Blickwinkel der Ureinwohnenden und ihrem Wissen um die vier Wassereinzugsgebiete für die grössten Schweizer Flüsse, aus denen die Schweiz auch heute noch besteht.



Entlang der vier grossen Flüsse Rhein (Nordsee), Rhone (Mittelmeer), Ticino (Adria) und Inn (Schwarzes Meer) wanderten die Menschen aus allen Himmelsrichtungen in das Land der Häälfee ein, das die sich zurückziehenden Gletscher freigaben.

Zuerst war der Jura eisfrei. Nach und nach gaben die grossen Eisströme der Alpen auch das Mittelland frei, welches zum grössten Teil von Menschen aus dem Westen und dem Nordwesten besiedelt wurde. Sie nannten sich Kälten (Kelten) wegen ihrer hellen Haut, denn ihre Ahnen waren durch die grosse Kälte gegangen. Je weiter sich die Gletscher in die Alpen zurückzogen, desto mehr Land wurde bewohnbar.

Die Einwandernden begannen das Land zu bebauen, denn es gab nicht mehr genügend Wild für die Jagd wie noch während der Eiszeit, als riesige Herden von Weidetieren durch die eiszeitlichen Steppen zogen. In dieser Zeit begannen sich die bäuerlichen Lebensarten zu entwickeln.

Auch von Norden, aus dem Osten und von Süden her kamen die Menschen entlang der Flüsse ins Land der Häälfee, um sich hier niederzulassen. Diese Völker sprachen verschiedene Sprachen. Die Einzugsgebiete der vier grossen Flüsse der Schweiz sind auch heute noch verschiedene Sprachregionen.

Das Goldene Zeitalter
Die Gletscher der Alpen schmolzen fast gänzlich ab, so dass alle Alpenpässe begehbar wurden und ein reger Austausch der verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus all den vielen Tälern entstand. Bis weit hinauf in die Bergtäler wuchsen die Wälder, gar Dörfer entstanden in luftigen Höhen. Die Menschen nannten diese Zeit das goldene Zeitalter. Die Sage vom goldenen Zeitalter erinnert uns noch heute an diese Zeit und erzählt von einstigen Dörfern, Fruchtbäumen und grossen Wäldern, wo heute dickes Gletschereis liegt.

Klimaverschlechterung
Vor etwa 2'800 Jahren setzte eine Klimaverschlechterung ein; Mehr Niederschlag führte zur Überflutung der Seeufer und die Siedlungen wurden in der Folge bevorzugt auf Anhöhen und Kuppen verlagert und nicht selten befestigt. Als Reaktion auf den erneuten Klimawandel entstand das Chalet, ein Blockhaus aus Holz, das auf Trockenmauern gebaut wurde.

Kälte, Sturmfluten und Meereseinbrüche bedrängten die europäischen Völker, auch die indoeuropäischen Germanen aus Nordeuropa. Die Männer (Manen) mit den Wurfspeeren (Ger) drangen damals in einer ersten Welle südwärts bis zum Rhein vor. Die einheimischen Kälten (Kelten) wurden vertrieben. Sie wichen bis nach Südfrankreich und Spanien und auch auf die britischen Inseln aus, wo sich keltische Dialekte (gälisch, walisisch, irisch) bis heute erhalten haben.

Kälten (Kelten)
Die kältischen Menschen (Kelten, lat. galli) im Gebiet der Schweiz nannten sich Häälfeezier und Häälfeezierinnen (Helvetier) und gehörten zu den kältischen Völkern, deren Siedlungsgebiete sich über ganz Westeuropa bis an die Alpen (von Nordwesten) und an den Rhein (von Südwesten) erstreckte. Das Zentrum der kältischen Kultur lag im heutigen Frankreich, das später von den Römern als Gallien bezeichnet wurde.

Das Klima verschlechterte sich weiter und es kam eine Zeit, da waren die Winter ungewöhnlich kalt und die grauen Wölfe kamen aus den Bergen herunter, um in Rudeln durch die tief verschneiten Täler und Ebenen zu jagen, schwarzen Schatten gleich. Ihr Heulen verbreitete Furcht und Schrecken unter den Menschen. Es wurde immer schwieriger im Lande, alle mit den kargen Ernten zu ernähren. Auch der Druck der germanischen Stämme aus dem Norden nahm wegen grosser Hungersnöte stetig zu.

In diesen Zeiten trugen römische Krieger den Krieg in viele Gegenden des Südens. Heimtückisch überfielen Sie die dort ansässigen Bevölkerungen, um sie zu unterjochen und auszubeuten, um ihre Länder in Besitz zu nehmen und Zugang zu den natürlichen Ressourcen zu erhalten, und, um ihrer Gier zu frönen. Sie überfielen auch den östlichen Alpenraum und das Kältenland (lat. Gallia).

Nach griechischer und römischer Geschichtsschreibung bestanden vier häälfeetische Teilstämme, die Verbigener und die Tiguriner, die Tougener und Toutonen.

Krieg
Die hälfeetischen Stämme der Tiguriner und der Tougener traten mit dem Zug der Kimbern 107 v. Chr. in die Geschichte ein. Um 115 v. Chr. zogen die germanischen Völker der Kimbern und Ambronen aus Norddeutschland und Dänemark nach Süden. Nach ihrem Sieg über die Römer bei Noreia (heutiges Österreich) kamen sie um 111 v. Chr. ins heutige Süddeutschland, wo sich ihnen keltische Stämme anschlossen, so die häälfeezischen Teilstämme der Tiguriner und Tougener. Ob es sich bei den Tougenern und den Teutonen, die traditionell mit den Kimbern genannt werden, um das gleiche Volk handelte, ist nicht bekannt.

Die verbündeten kältischen und germanischen Stämme fielen gemeinsam nach Gallien ein, unternahmen dort allerdings getrennte Züge. Im Jahr 107 v. Chr. gelangten die Tiguriner in das Gebiet der Volker im heutigen Südwestfrankreich. Unter ihrem Feldherrn Divico besiegten die Tiguriner bei Agen an der Garonne ein römisches Heer. Nach Cäsars Überlieferung seien die gefangenen Römer nach der Schlacht zur Demütigung unter einem Joch durchgeschickt worden, dasselbe, das die Römer allen von ihnen überfallenen Völkern aufzwingen wollten. Bei Orange schlugen die Tiguriner wieder gemeinsam mit den anderen Stämmen 105 v. Chr. ein weiteres römisches Heer. 103 v. Chr. teilten sich die Stämme auf, um die Poebene zu erobern. Während die Teutonen und Ambronen westlich über die Provence vorstiessen, zogen die Kimbern und die Tiguriner östlich über den Brennerpass. Die Römer unter Marius konnten jedoch die Teutonen und Ambronen 102 v. Chr. bei Aix-en-Provence und 101 v. Chr. die Kimbern bei Vercellae abwehren und vernichten. Die Tiguriner konnten der Vernichtung entgehen und zogen mit ihrer Beute wieder nach Norden. Die Tiguriner bzw. die Häälfeezier blieben danach im kollektiven Gedächtnis Roms als starker und bedrohlicher keltischer Stamm erhalten.

Zu Beginn seines Gallischen Krieges, der die früheren Überfälle der Römer auf gallisches Gebiet fortsetzte, berichtet Julius Caesar über seinen Feldzug von 58 v.Chr. gegen die vereinigten häälfeetischen Stämme.

CH - die erste Eidgenossenschaft
Die Häälfeezier, die Rauriker, die Boier, die Latobriger und die Tulinger hatten sich unter der Führung Divicos zur ersten Eidgenossenschaft zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss wird heute mit der lateinischen Bezeichnung CH für Confoederatio Helvetica, was übersetzt Vereinigte Häälfeezier bedeutet, bezeichnet. Bei dem Zusammenschluss der Stämme auf häälfeetischem Gebiet handelt es sich um die erste überlieferte Eidgenossenschaft. Noch heute wird die Schweiz als CH bezeichnet.

Auszug der Vereinigten Häälfeezier
Die durch Eid vereinigten Stämme versuchten, in die Saintonge im südwestlichen Frankreich (lat.Gallia) auszuwandern. Das Gebiet hatte Divico bei den früheren Feldzügen kennengelernt; bei einer siegreichen Schlacht gegen die Römischen Kohorten.

Die vereinigten Häälfeetischen Stämme wollten das Land verlassen, um sich in einem unbesiedelten Landstrich zwischen Toulouse und Bordeaux anzusiedeln. Die Menschen glaubten, zum Auszug genügend gerüstet zu sein, und zündeten ihre zwölf Städte, vierhundert Dörfer und alle Gehöfte an. Auch das geerntete Getreide, das sie nicht mit sich führen konnten, verbrannten sie. Die Verbündeten hatten sich darauf geeinigt, dass alle genügend gebackenes Brot für drei Monate mitnehmen sollten.

Der schier unendliche Wagenzug setzte sich im Frühjahr 58 v.Ch. in Bewegung. Die Gesamtzahl aller Auswandernden belief sich auf 368'000 Männer, Frauen und Kinder. 92'000 von ihnen trugen Waffen. Gemäss geschichtlich überlieferten Zahlen setzte sich der Zug wie folgt zusammen: 263 000 Häälfeezier, 36'000 Tulinger, 14'000 Latobriger, 23'000 Rauriker und 32'000 Bojer.

Es gab nur zwei Wege, um in das Land am westlichen grossen Meer zu gelangen. Der eine führte über den Jura durch das Sequanerland und war eng und mit Karren schwierig zu befahren. Der andere führte durch die Provinz der Römer, die in der Folge alles unternahmen, um das ausziehende Volk daran zu hindern, ihr Gebiet zu durchqueren. Sie liessen den Zug nicht passieren, da sie die Bedrohung für die Römischen Absichten, Gallen zu erobern, erkannten. Das Gesuch um friedlichen Durchzug wurde abgelehnt, weil die Römer die früherere Niederlage nicht vergessen hatten.

Nach einem ersten Zusammenstoss Mitte April bei Genava (Genf) war das ausziehende Volk gezwungen, wieder nach Norden auszuweichen, um den längeren, schwierigeren Weg anzutreten. Als sie auf Flössen und zusammengekoppelten Kähnen über die Saone setzten, wurden die noch Zurückgebliebenen von den Römern angegriffen und niedergemetzelt. Sechs Legionen Caesars verfolgten diejenigen, die bereits über dem Fluss waren, während Wochen.

Nach dem Massaker an den Tigurinern anfangs Juni am Ostufer der Saône zogen die Auswandernden in Richtung Loire, weiterhin von den sechs Legionen Caesars verfolgt. Es erfolgten weitere Massaker an den jeweils letzten des Wagenzuges.

Die Schlacht von Bibracte
Um den 20. Juni bogen Cäsars Legionen nach dem 27 km entfernten Bibracte ab, um dort Lebensmittel zu holen, die dem Feldherrn von den Häduern, seinen Verbündeten, zugesagt worden waren.

Da machten die Häälfeezier kehrt, errichteten eine Wagenburg und griffen die römischen Legionen an. Die Schlacht, die gegen Mittag begonnen hatte, endete in der Nacht mit der Niederlage der Auswandernden. Die meisten zogen sich in das Gebiet der Lingonen (Gegend um Langres, östl. Champagne) zurück, wo sie mangels Unterstützung kapitulierten. Caesar schickte die Überlebenden Häälfeezier und Häälfeezierinnen in ihr Gebiet zurück. 

Das Schlachtfeld liegt in der Gegend um den Montmort (Todesberg) im Departement Saône-et-Loire, wo bei archäologischen Untersuchungen ein Graben entdeckt wurde, der von den Legionären Caesars ausgehoben worden war. In der Geschichtsschreibung wird oft die Tapferkeit der Häälfeezier herausgestrichen (nach Caesar soll kein Legionär gesehen haben, dass ein Feind ihm den Rücken zukehrte). Aus Anerkennung wurden die Überlebenden zurückgeschickt anstatt in die Sklaverei verkauft zu werden.

Von den 368'000 Auswandernden (92'000 waffentragende Männer sowie 276'000 Greise, Frauen und Kinder) blieben 110'000 Besiegte übrig. 258'000 Menschen waren den Massakern der Römer zum Opfer gefallen oder während der Schlachte in Bibracte gefallen.

Rückkehr nach Häälfeezien
Der Heerführer der Römer, Gaius Julius Caesar, ordnete eine Zählung an. Er befahl, dass die übriggebliebenen 110'000 Besiegten in ihre verlassene Heimat zurückkehren mussten. Da sie alles Getreide eingebüsst und zuhause auch nichts mehr zu essen vorfanden, wurden die Allobroger angewiesen, das Häälfeetische Volk mit Getreide zu versehen, damit sie den nächsten Winter überleben konnten. Auch wurde der Befehl erteilt, dass die niedergebrannten Städte und Dörfer wieder aufgebaut werden mussten.

Auszug der Helvetier aus römischer Sicht


Häälfeezierinnen und Häälfeezier verlieren ihre Freiheit
So verloren die Häälfeezier vor über 2068 Jahren ihre Freiheit und Eigenständigkeit. Häälfeezien wurde dem römischen Reich als Protektorat angegliedert und fortan Helvetien genannt. Der Einmarsch der Römer hatte zur Folge, dass das römische Reich das Land in Besitz nahm. Die Einheimischen verloren ihr Bürgerrecht und mussten den Besetzern fortan Tribut entrichten. Sie waren zu Fremden im eigenen Land geworden. Alle Gesetze wurden von den Römern erlassen. Die Häälfeezierinnen wurden zu Untertaninnen der Männer erklärt, denen eine Teilsouveränität erhalten blieb. Den Frauen wurden ihre Freiheit und alle Bürgerinnen- und Menschenrechte gänzlich aberkann, was sich für mehr als zweitausend Jahre nicht ändern würde.

Untertanenschaft
Fortan mussten die Häälfeezierinnen, die nun Helvetierinnen genannt wurden, das schwere Joch der Untertanenschaft tragen, das ihnen von den Römern auferlegt worden war. Um sicherzustellen, dass sie ihren neuen Herren dienten, wurden alle Männer im ganzen Land fortan gezwungen, die Frauen zu unterjochen und ihnen alles abzuverlangen, was diese geben konnten.

Keine Anerkennung
Auch dann, wenn sich die Helvetierinnen noch so viel Mühe gaben, so konnten sie dennoch niemals mehr Anerkennung finden. Alles was sie taten, war zwar nach wie vor wunderbar, doch niemals genügend. Es gab keine Möglichkeit mehr für die Helvetierinnen, anerkannt zu werden, sie mussten das Joch der Untertanenschaft jeden Tag und jede Nacht im Jahr und ihr ganzes Leben lang tragen.

Nach källtischer Sitte und Geschichtserzählung (keine geschriebene Spradhe) wurden drei Berge benannt, um diese geschichtliche Tragödie festzuhalten. Die Berge Jungfrau mit Jungfraujoch, Mönch (Priester) und Eiger (Besitzer) erzählen die Geschichte von der Unterjochung der helvetischen Frau bis zum heuigen Tag. Die lange Zeit als unüberwindbar geltende Eigernordwand bringt die Unüberwindbarkeit des neuen "Herrn", des Besitzers, zum Ausdruck.

Unter der römischen Herrschaft, die patriarchalische Strukturen ins ehemals matriarchal geordnete Helvetien brachte, bestand die Selbstverwaltung der Helvetier teilweise weiter, doch wurde den helvetischen Frauen fortan jegliche Mitbestimmung verwehrt. Die Volksgemeinde (civitas) war nur noch für die Männer zugänglich, doch nach wie vor wie zu matriarchalen Zeiten in vier Teilstämme (pagi) aufgeteilt. Die civitas regelte das Steuerwesen autonom und stellte eine Miliz, die für den Grenzschutz und Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zuständig war.

126 Jahre nach der Besetzung Helvetiens und der Aberkennung der Bürgerrechte fand der letzte geschichtlich überlieferte Aufstand der Helvetier im Ringen um Eigenständigkeit nach dem Tod Neros 68 n. Chr. statt. Die Helvetier unterstützten den neuen Kaiser Galba und kamen deshalb in Konflikt mit den römischen Truppen auf ihrem Gebiet, denn diese unterstützten den Feldherrn Vitellius, der ebenfalls nach dem Kaisertum strebte. Als Galba in Rom ermordet wurde und an seiner Stelle Otho als Kaiser aufgestellt wurde, bereiteten sich die römischen Legionen in Germanien auf einen Zug nach Rom vor, um ihren Kandidaten auf den Thron zu bringen. In diesem Zusammenhang kam es zu einem bewaffneten Zusammenstoss zwischen der helvetischen Miliz und der 21. Legion aus Vindonissa. Als Reaktion liess der römische Feldherr Caecina, der gerade mit dem obergermanischen Heer nach Helvetien gelangt war, hart durchgreifen. Die helvetischen Siedlungen im Aargau wurden geplündert und zerstört. Ein weiteres Massaker fand statt. Da die Helvetier Widerstand leisteten, wurden tausende von ihnen umgebracht oder unter Kriegsrecht als Sklaven verkauft.

Anschliessend an das Massaker besetzten die römischen Truppen die Stadt Aventicum (Avenches), die zum Hauptort der helvetischen civitas geworden war, womit der Aufstand endete. Aventicum wurde anschliessend ebenfalls in eine römische Kolonie umgewandelt unter dem Namen "Colonia Pia Flavia Constans Emerita Helvetiorum Foederata.".

Nach dem Aufstand und den Massakern der Jahre 68/69 n. Chr. kam es zu keinen militärischen Konflikten mehr zwischen Römern und Helvetiern. Die helvetische Selbstverwaltung bestand in der römischen Kolonie weiter, Helvetier und Helvetierinnen besaßen jedoch im Allgemeinen das römische Bürgerrecht nicht. Es wurde nur an Einzelpersonen als Auszeichnung vergeben. Dann, im Jahr 212 n. Chr., wurden die einheimischen Männer den römischen Kolonisten rechtlich gleichgestellt. Helvetien war zu diesem Zeitpunkt stark romanisiert, trotzdem hatten sich die keltische Umgangssprache, keltische Gottheiten und Bräuche erhalten. Von Westen nach Osten bestand dabei ein starkes Gefälle in der Stärke der Romanisierung.

Gegen Ende der römischen Kolonial-Herrschaft in der Schweiz kam es zu einer keltischen Renaissance. Trotzdem gelang es den Helvetiern nicht, nach dem Abzug der römischen Truppen 401 n. Chr. ein eigenes Staatswesen zu errichten. Die alten Strukturen und Zusammenschlüsse waren durch Verbote über Jahrhunderte systematisch ausgemerzt worden. Alte keltische Oppida wurden zwar wieder neu befestigt und besiedelt, die romanisierten Helvetier konnten aber weder die Einwanderung der Alemannen ins zentrale und östliche Mittelland verhindern, noch an die alten keltischen Strukturen anknüpfen, die über mehr als vier Jahrhunderte von den Römern mit allen Mitteln bekämpft worden waren.

Die alten Siedlungen konnten sich zwar eine Zeit lang als romanisierte Sprachinseln behaupten, die Helvetier wurden aber längerfristig mindestens in den nicht stark romanisierten Gegenden von den Einwandernden teilweise auch sprachlich assimiliert. Wie weit sich die alemannischen Dialekte von den keltischen Dialekten unterschieden ist nicht bekannt. In der Westschweiz und im Alpenraum behauptete sich das romanische Sprach-Element. Der Deutschschweiz blieb ein Grossteil der Ursprache erhalten, wie die Verwendung des Landesnamens Häälfeezien auch heute noch zeigt.

Keltisches Erbe
Bis heute verbleiben viele keltische Einflüsse in der Schweiz. Der grössere Teil der Flüsse und die älteren Städte der Schweiz tragen keltische Namen. Auch Flur-, Land- und Bergbezeichnungen sowie der schweizerdeutsche Dialekt weisen keltische Einsprengsel auf. So kommt etwa der Name des Innerschweizer Kantons Uri vom keltischen ure (Stier). Viele der heutigen Schweizer Volksbräuche und Feiertage wie z.B. die 1. August-Feiern (Feiertag des keltischen Wassergottes Lugh - Lammas, Mondfest, Lugnasadh, Schnitterinnenfest) sind nach wie vor keltischen Ursprungs und reichen weit in die Vorzeit hinein.

Schreckensherrschaft
Der Schreckensherrschaft der Römer folgten andere Tyrannen aus den umliegenden Nachbarstaaten, welche Helvetien besetzten und dem ehemals matriarchal geordneten Land weiterin ihre patriarchalen Strukturen, Gesetze und Religion aufgezwangen, um das Volk zu unterjochen und auszubeuten.

Die Zeit verging. Viele hunderte von Jahren, gar einige tausende Jahre trugen die Helvetierinnen das schwere Joch der Untertanenschaft. Auch in den anderen Ländern ringsumher waren alle Frauen mit staatlicher Gewalt unterjocht worden.

Unabhängigkeit - Zweite Eidgenossenschaft
1291 machten die Schweizer Unabhängigkeitskämpfer ihr Naturrecht mit dem Recht auf Widerstand geltend und kämpften für die Freiheit.

Das Herrenrecht der ersten Nacht hatte einen grossen Einfluss darauf, dass sich das Volk gegen die unmenschliche Herrschaft der Vögte erhob.

Das Recht der ersten Nacht
Beim Herrenrecht als Rechtsanspruch des Mittelalters und der frühen Neuzeit handelt es sich in der lateinischen Übersetzung um das Jus primae noctis, das "Recht der ersten Nacht".

Im Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte wird es angeführt als "Privileg des Grundherrn auf Beiwohnung in der Brautnacht einer Grundhörigen". Mit anderen Worten: eine Art Vergewaltigungsrecht eines Adeligen anlässlich von jedweder Hochzeit in seinem Land. Das Herrenrecht gehört zu den Ungerechtigkeiten früherer Zeiten, als Gipfel der Willkür in der dunklen Epoche der Lehnsstaaten. Besonders ausführlich wurde diese Kritik auch in Voltaires Werk „Essai sur les moeurs“ laut. Der französische Philosoph Voltaire fand es schlicht unglaublich, dass so ein Recht so lange in Europa geherrscht habe, und kritisierte es sehr ausführlich und scharf.

Erwähnung des Herrenrechtes in Maur ZH: "Die Fraumünsterabtei setzte daraufhin einen Meier ein, der sich nicht nur um die Verwaltung des Hofs kümmerte, sondern auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Ausserdem stand ihm das in der Offnung von 1543 schriftlich verbürgte Recht der ersten Nacht zu, gemäss dem er mit jeder Braut der Gemeinde die Hochzeitsnacht verbringen durfte."   

Die alte Eidgenossenschaft
Als Alte Eidgenossenschaft wird die Schweizerische Eidgenossenschaft in der Form bezeichnet, wie sie von den ersten Bündnissen im 13./14. Jahrhundert bis zum Einmarsch der Franzosen und dem Beginn der Helvetik 1798 bestand.

Die Rolle der Frauen
Im freiheitlichen Bühnenwerk "Wilhelm Tell" verbünden sich nicht nur die Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden, sondern auch Alte und Junge, Frauen und Männer sowie Angehörige verschiedener Stände bzw. Hoch und Niedrig gegen die habsburgische Tyrannei.

In dem Drama werden Frauen aus allen drei Ständen radikaler als die Männer dargestellt:

So ermutigt die Bäuerin Gertrud ihren Gatten Werner Stauffacher: „Zu Schwyz sich alle Redlichen beklagen ob dieses Landvogts Geiz und Wüterei [...] Ihr seid auch Männer, wisset eure Axt zu führen“, und als er einwendet: „Wir Männer können tapfer fechtend sterben“ , was aber werde aus den Frauen, da antwortet sie: „Der letzte Weg bleibt auch dem Schwächsten offen. Ein Sprung von dieser Brücke macht mich frei.

Die Adelige Bertha gewinnt Rudenz für die gemeinsame Sache. 

In der hohlen Gasse stellt sich Armgard, Gattin eines ohne Richterspruch eingekerkerten armen Wildheuers (Kleinbauern), mit ihren hungernden Kindern dem Vogt verzweifelt und beherzt in den Weg und bittet um die Freilassung ihres Mannes; als Gessler sie und ihre Kinder niederzureiten droht, durchbohrt ihn Tells Pfeil. Als alle betroffen dastanden, hob Armgard eines ihrer Kleinen empor: „Seht Kinder, wie ein Wüterich verscheidet.“

Todesstrafe in der Schweiz - Helvetien
Auch in der Alten Eidgenossenschaft wurde die Todesstrafe angewendet. Dabei handelte es sich nicht um eine neue Art der Bestrafung. 

Im Römischen Reich gab es allerorten Löwengruben, in denen menschenfressende Löwen für Hinrichtungen gehalten wurden. Auch Feuertod und Kreuzigung waren verbreitete öffentliche Formen der Todesstrafe. Die Kreuzigung hatten die Römer von den Makedonen und Karthagern übernommen, eine Hinrichtungsmethode, die einen dazu Verurteilten absichtlich besonders langsam und grausam töten sollte. Es konnte Tage dauern, bis der Tod eintrat. Das möglichst lange qualvolle Sterben der Gekreuzigten sollte den Verurteilten demütigen, und den Betrachter einschüchtern und abschrecken. Im Römischen Reich kreuzigte man vorzugsweise Sklaven, um andere Sklaven von der Flucht oder anderen Vergehen abzuschrecken. Auch Aufständische wurden besonders in eroberten Gebieten auf diese Art hingerichtet. Die Kreuzigung war eine politische Strafe zur Sicherung und Aufrechterhaltung der Pax Romana nach innen und außen.  In der Kaiserzeit wurde die Kreuzigung zur Abwehr gegen Staatsfeinde, Sklaven und Nichtrömer öfter angewandt, um das Imperium Romanum in eroberten Gebieten durchzusetzen und Aufstände zu unterdrücken. Römische Wachmänner mussten selbst mit der Todesstrafe rechnen, wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllten und die Flucht eines zum Tode Verurteilten ermöglichten.

Die vollständige römische Hinrichtungsprozedur bestand in der Kaiserzeit aus vier Teilschritten, die jedoch nicht immer und überall nacheinander vollzogen wurden:
1. Der vollständigen Entkleidung des Verurteilten und dessen öffentlicher Geißelung; Die Geißelung des Entkleideten mit einer Peitsche, oft zusätzlich mit Nägeln besetzt, quälte und erniedrigte den Betroffenen zusätzlich, schwächte seinen Organismus durch die Anstrengung und Verspannung unter den Schlägen, Schmerzen und Blutverlust. Dies konnte bereits tödlich sein und verkürzte die Sterbedauer am Kreuz, so dass die Zahl der Schläge meist begrenzt wurde.
2. Dem erzwungenen Querbalken- oder Furca-Tragen zum Hinrichtungsplatz.
3. Dem Fesseln oder Annageln seines Körpers an eine Furca oder den Querbalken. 
4. Dessen Befestigung an einem Baum oder auf dem vorbereiteten Pfahl. Dabei wurden Mensch und Querbalken hochgehoben und mit dem senkrechten Pfahl verbunden.

Die zahlenmässig wohl grösste Kreuzigung fand 71 v. Chr. nach der endgültigen Niederlage des aufständischen Sklavenheerführers Spartacus statt. Die 6'000 letzten Überlebenden seines bis zu 200'000 Mann starken Heeres wurden entlang den 195km der Via Appia von Rom bis Capua gekreuzigt. Danach verbreitete sich die Kreuzigung als Strafe gegen Nichtrömer im gesamten Römischen Reich, damit auch in Häälfeezien.

Römische Bürger durften von Rechts wegen nicht gekreuzigt werden sondern wurden zumeist enthauptet, der Möglichkeit des Freitodes ausgesetzt oder verbannt. Für die römische Klassenjustiz galt Kreuzigung als äußerst demütigender, schmachvoller Sklaventod, von dem römische Bürger nichts wissen wollten. 

Die Helvetier besaßen jedoch im Allgemeinen das römische Bürgerrecht seit Sommer 58 v.Ch. nicht. Es wurde nur an Einzelpersonen als Auszeichnung vergeben. Erst im Jahr 212 n. Chr., wurden die einheimischen Männer den römischen Kolonisten rechtlich gleichgestellt. 

Nach der Konstantinischen Wende 313 n.Ch. gestand die Kirche dem Staat ein Vergeltungsrecht zu und legitimierte damit die Todesstrafe. In deren Verlauf gewann das Christentum an Einfluss im Römischen Reich und wurde schliesslich im Jahr 380 zur Staatsreligion erhoben. Die Kreuzigung wurde in Europa durch andere Hinrichtungsmethoden ersetzt. Staatliche Exekutionen nahmen jedoch nicht ab, sondern eher zu. Die Kirche war nun aktiv daran beteiligt: Augustinus von Hippo erlaubte getauften Staatsvertretern 420 mit Staatsämtern auch den Kriegsdienst und das Hinrichten.

Die Römisch-Katholische Kirche rechtfertigte die Todesstrafe an Heiden im Zuge gewaltsamer Christianisierung. Im 13. Jahrhundert setzte Papst Innozenz III. Hinrichtungen von Ketzern durch. Bischöfe und Kardinäle verhängten Todesurteile, die von der staatlichen Blutgerichtsbarkeit ausgeführt wurden. Die Regel Ecclesia non sitit sanguinem (die Kirche dürstet nicht nach Blut) galt nur bedingt, da Kirchenvertreter auch politische Ämter innehatten und im eigenen Herrschaftsbereich hinrichten ließen.

Im Spätmittelalter, als das Machtmonopol von Papst- und Kaisertum, Klerus und Adel zunehmend bedroht war, nahmen Zahl und Grausamkeit der Hinrichtungen wie auch die Vergehen, die damit bestraft wurden, ständig zu. Kirchliche Inquisition sowie regionale und staatliche Hexenverfolgung trugen maßgeblich dazu bei.

Alle Kantone der alten Eidgenossenschaft ordneten gelegentlich die Todesstrafe, die härteste aller Strafarten, an und führten Hinrichtungen durch. Die Kantone waren bezüglich des Strafrechtes autonom. Von besonderer Bedeutung ist, dass in der alten Eidgenossenschaft die einzelnen Stände kaum über geschriebenes Strafrecht verfügten. Oft wurde nach Landgebrauch oder nach Sitte geurteilt, was dem Ermessensspielraum der Richter eine enorme Entscheidungsbreite zuwies.

In vielen Kantonen der Ostschweiz stützte man sich bei Urteilen auf die Halsgerichtsordnung, die von Karl V, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, 1532 eingeführt wurde. Sie wurde Carolina oder kaiserliches Recht genannt. Die Carolina hat nicht nur bei Tötung, Raub, Diebstahl, Brandstiftung, Zauberei oder auch homosexuellen Handlungen den Tod vorgesehen, sondern bei vielen Straftatbeständen eine zusätzliche Strafschärfung bestimmt. Widernatürliche Unzucht sollte etwa mit dem Feuertod, die Kindstötung durch lebendiges Begraben oder Ertränken bestraft werden. 

Die Einführung der Carolina, bei deren Abfassung die Hexenlehre der Kirche Pate stand, schuf die Voraussetzung für die massenhafte Durchführung von Hexenprozessen zwischen 1580 und 1680. Vielfach wurde dieses erste deutsche Strafrecht auch als Bürokratischer Terror bezeichnet. Unschuldige Menschen gerieten in die Fänge eines erbarmungslosen, wie ein Uhrwerk ablaufenden Vernichtungsapparates, aus dem es in der Regel kein Entrinnen gab. Jede und jeder mußte befürchten, Opfer zu werden. In der Carolina wurde der sogenannte Ordalprozess, dessen anerkanntes Beweismittel das Gottesurteil war, bei dem sowohl die Eisen-, Feuer- und die Wasserprobe als auch andere Verfahren durchgeführt wurden, die auf der Theorie basierten, daß Unschuldige unterlagen und Schuldige mit Hilfe teuflischen Werkes überlebten, von einem Indizien- und Geständnisprozeß abgelöst. Diese Prozessform wurde von der Carolina bis in die letzte Einzelheit geregelt. Das Geständnis der Angeklagten galt fortan als das verlässlichste Mittel der Wahrheitsfindung. Es war die Aufgabe des Richters, auf legale Weise ein Geständnis zu erzwingen und durch Indizien und Nachforschungen die Wahrheit des gestandenen Verbrechens zu erhärten. Die "Carolina" versuchte, mit dem Richter eine unabhängige Instanz einzusetzen. Er war ein von der Obrigkeit beauftragter Beamter mit festem Gehalt, er mußte einen Amtseid leisten, und es war ihm verboten, eine Belohnung vom Ankläger zu nehmen.
Die Folter, die auch schon bei früheren Prozessen zur Erzwingung eines Geständnisses angewandt wurde, wurde durch die "Carolina" gesetzlich bestätigt. Gleichzeitig wurden Regeln für ihre Anwendung festgelegt. Nur beim Vorligen ganz bestimmter Verdachtsgründe (Indizien) durfte gefoltert werden. Ein unter der Folter abgelegtes Geständnis war erst dann gültig, wenn es außerhalb der Folter freiwillig wiederholt wurde. Diese scheinbar humane Regelung brachte den Angeklagten real nichts ein, denn es drohte ihnen beim Widerruf des erfolterten Geständnisses erneut die Folter.

Die Helvetische Republik war eine durch französischen Revolutionsexport auf dem Boden der Alten Eidgenossenschaft errichtete Tochterrepublik, die am 12. April 1798 ausgerufen und am 10. März 1803 aufgelöst wurde. Durch die französische Besetzung wurde am 1. April 1799  die kantonale Hoheit in Strafsachen aufgehoben und am 4. Mai 1799 durch das peinliche Helvetische Gesetzbuch ersetzt, dass für die ganze Schweiz galt. Dieses Gesetzbuch führte mit Ausnahme der Enthauptung zur Abschaffung der grausamen Hinrichtungsmethoden. 

Nach 1803 kehrten alle Kantone zu ihrer alten Rechtstradition zurück. Die meisten Stände kannten noch immer kein geschriebenes Strafrecht, und die meisten sind auch erst anfangs des 19. Jahrhunderts dazu übergegangen solche zu schreiben. Viele Kantone führten die Carolina, allerdings in abgemildeter Form wieder ein.

1874 kam es zur heute noch massgeblichen Totalrevision der Bundesverfassung. Als diese in Kraft trat, wurden in der Schweiz seit sechs Jahren keine Hinrichtungen mehr durchgeführt. Liberale Kantone, die die Todesstrafe bereits abgeschafft hatten, konnten einen Verfassungsartikel, der die Todesstrafe in der ganzen Schweiz verbot, durchsetzen.

In der Zeit nach der Verfassungsrevision von 1874 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Schweiz innert kurzer Zeit enorm. Die darauschliessende Zunahme der Kriminalität führte in einigen Kantonen zu einer wahren Volksbewegung für die Wiedereinführung der Todesstrafe. In vielen Teilen der Schweiz wurden Unterschriften für die Wiedereinführung der Todesstrafe gesammelt. Am 18. Mai 1879 fand eine Volksabstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe (Revision des Artikel 65 BV) statt. Die Revision wurde mit 200.485 Ja-Stimmen zu 181.588 Nein-stimmen angenommen.

Definitive Abschaffung der Todesstrafe in der Schweiz
Im zivilen Strafrecht wurde die Todesstrafe mit der Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937, welches am 1. Januar 1942 in Kraft trat, definitiv abgeschafft. Noch bis zu diesem Tag hatte jeder Kanton sein eigenes Strafgesetz.

Das Militärstrafgesetz (MStG) sah die Todesstrafe nur für Kriegszeiten, z. B für Landesverrat, vor und hatte noch Bestand bis 1992. Erst seit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung am 1. Januar 2000 ist die Todesstrafe auch verfassungsrechtlich wieder vollständig, also auch im Militärstrafgesetz, verboten. Im Artikel 10 Absatz 1 der Bundesverfassung heißt es:

„Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Die Todesstrafe ist verboten."

Weiterhin Untertanenschaft in der alten Eidgenossenschaft
Die Alte Eidgenossenschaft war staatsrechtlich gesehen ein lockeres Bundesgeflecht, das stark von den Machtinteressen der einzelnen Mitglieder geprägt war. Sie bestand aus den als «Orte» bezeichneten autonomen Mitgliedsstaaten (ab 1513 dreizehn Orte) mit ihren jeweiligen Untertanengebieten sowie den zugewandten Orten und den gemeinen Herrschaften.

So wurde vielen Gebieten staatsrechtlich weiterhin als sogenannte Untertanengebiete die Freiheit verweigert. Ebenso wurde vergessen, die Frauen juristisch und formal in die neue Freiheit einzubeziehen und deren Naturrecht wiederherzustellen; allzulange war es her, dass Frauen noch gleichberechtigt gewesen waren. Die neue Mentalität des Patriarchates hatte sich in allen Lebensbereichen festgesetzt.  

Auch 1789, als sich die gallischen Stämme in der französischen Revolution gegen die Unterjochung erhoben, vergassen die Freiheitskämpfer die Frauen. Eine der ersten Kämpferinnen für die Wiederherstellung der Rechte der Frauen, Olympe de Gouges, wurde in Paris auf der Place de la Concorde (Platz der Eintracht)  geköpft. Die Männer wollten zwar wieder frei sein und sprachen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für sich selber. Was den Umgang mit den Frauen anbetraf, hatten sie die Gewohnheiten der Römer angenommen; Sie wollten die Frauen nicht mehr befreien, allzusehr hatten sie sich an die erbrachten Dienstleistungen ihrer "Untertaninnen" gewöhnt.

Ausgeschlossen
Den Häälfeezierinnen war es bis ins heutige Jahrhundert nicht möglich, aktiv in allen Belangen des Staates mitzuwirken.

Erst nach einer friedlichen Bewegung, die 180 Jahre dauerte, erhielten die Frauen im Lande der Häälfee im Jahr 1971 wieder ein eingeschränktes Mitspracherecht. Auch dann dauerte es nochmals 36 Jahre, bis den Frauen wieder alle vor 2068 Jahren aberkannten Rechte zugestanden wurden und das staatliche und männliche Recht auf Diskriminierung und Unterjochung der Frauen vollständig aufgehoben wurde.

Erst seit der Unterzeichnung der Frauenkonvention mitsamt Fakultativprotokoll für das Individualbeschwerderecht im Februar 2007 durch den Bundesrat garantiert die Schweiz den schweizerischen Frauen im seit 2'068 Jahren vereinigten Helvetien wieder die ganze persönliche, juristische und formale Freiheit.

Juristische und formale Freiheit
Die Wiedereinführung der juristischen und formalen Freiheit der Frauen in der Schweiz im Februar 2007 - nach über zwei Jahrtausenden der Unterdrückung und Unterjochung - wurde mit einer kleinen Zeitungsmeldung kund getan, die lediglich auf die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls hinwies. Es fand keine weitere öffentliche Würdigung der Wiedereinsetzung der Freiheit der Frauen in der Schweiz statt. Auch ein Volksfest wurde nicht gefeiert. Es wurde keine Entschuldigung ausgesprochen und keine Entschädigung ausbezahlt. Auch wurden keine politischen Anstrengungen unternommen, den Frauen die Hälfte der Verwaltung des Landes zu übertragen.

Gleichberechtigung
Schweizerinnen (Helvetierrinnen - Häälfeezierinnen) sind seit 1981 auf dem Papier gleichberechtigt. In der Verwaltung des Staates nehmen sie fast 30 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsartikels nur 1/4 der Sitze ein. 3/4 der Sitze werden nach wie vor von Männern eingenommen.

Die Eidgenössische Volksinitiative 'für eine gerechte Vertretung der Frauen in den Bundesbehörden (Initiative 3. März)' für die Einführung einer Frauenquote kam am 12.3.2000 zur Abstimmung und wurde abgelehnt. Die Staatspolitische Kommission (SPK) des Nationalrates beantragte deren Ablehnung.

In den Führungsetagen der Wirtschaft werden etwa 9/10 der Postionen von Männern eingenommen, 1/10 von Frauen. 

Eine Motion zur Einführung einer Frauenquote zur Erhöhung des Frauenanteils wurde eingereicht, im Parlament aber noch nicht behandelt. Danach müssten in Verwaltungsräten von Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten mindestens 40 Prozent Frauen vertreten sein.

Persönliche Freiheit
Seit 2007 zählen auch die Schweizerinnen (Helvetierinnen - Häälfeezierinnen) am 1. August die Jahre ihrer wiedererhaltenen persönlichen Freiheit. Seither gilt für alle Frauen in der Schweiz :

Jede hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 3, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948


Im Gedenken an die Häälfee und alle Frauen, die sich während mehr als zweitausend Jahren für die Menschenrechte der Frauen in der Schweiz eingesetzt haben, heisst das Land weiterhin CH - Vereinigtes Häälfeezien.

Priska Lenherr, 2010

 

   

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