Elisabeth Eidenbenz

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Elisabeth Eidenbenz wurde 1913 geboren. Sie ist eine Gerechte unter den Völkern aus der Schweiz.

Elisabeth Eidenbenz, Kind aus einem Pfarrhaus im Zürcher Oberland, hatte schon immer ein Herz für die Benachteiligten. Die junge Lehrerin und Krankenschwester arbeitete im spanischen Bürgerkrieg im humanitären Einsatz. 1939, nach Ende des Krieges und der Niederlage der Republikaner gegen die Franco-Truppen, verlagerte Elisabeth Eidenbenz ihre Hilfstätigkeit nach Südfrankreich, wo hunderttausende spanischer Flüchtlinge gestrandet waren. Sie kümmerte sich um die Flüchtlinge, die dort zu Zehntausenden unter unvorstellbaren Bedingungen lebten. Elisabeth Eidenbenz war entsetzt über die Lebensbedingungen der schwangeren Frauen und Kinder.

In Elne, südlich von Perpignan, fand sie ein altes Gebäude, in dem eine Schweizer Entbindungsklinik eingerichtet wurde, die diese Frauen aufnahm. Von Dezember 1939 bis Ostern 1944, als der Betrieb eingestellt wurde, leitete Elisabeth Eidenbenz die Kinderklinik im südfranzösischen Elne. In dieser Zeit kamen dort fast 600 Kinder zur Welt, deren Mütter im Januar 1939 vor den Bombenangriffen der Franco-Truppen nach Frankreich geflohen waren. Eidenbenz nahm sich der Schwangeren an.

In dem in Elne eingerichteten Kinderheim konnten diese Flüchtlingsfrauen ihre Kinder gebären. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen auch verfolgte Jüdinnen aus ganz Europa hinzu. Sie fanden in Elne eine Insel des Friedens im Schatten des Krieges vor, eine rettende Zuflucht vor Hunger, Not und Verfolgung. Der unermüdliche Einsatz von Elisabeth Eidenbenz und ihren Schweizer Helferinnen ermöglichte so das Überleben von 600 Säuglingen und ihren Müttern.

Elisabeth Eidenbenz, die Retterin, lebt heute in der Nähe von Wien. Mehr als 600 Kinder kamen in ihrer Klinik zur Welt und entgingen so dem sicheren Tod. Am Strand von Argelès erinnert ein Gedenkstein an die Flüchtlingstragödie vom Januar 1939. Eine halbe Millionen Spanier flohen vor dem Bürgerkrieg. Zehntausende drängten sich kurz hinter der französischen Grenze. "Es ist nicht zu verstehen, dass die Franzosen überhaupt nicht vorbereitet waren", erinnert sich Elisabeth Eidenbenz. Sie ging in die Internierungslager und holte die schwangeren Frauen zu sich. In der "Maternité Suisse" konnten die Frauen ihre Kinder gesund zur Welt bringen. Danach mussten fast alle in die Lager zurück.

Im Juni 1940 marschierten die Deutschen ein. Das Vichy-Regime wandelte im unbesetzten Süden die Lager in Konzentrationslager um. In Rivesaltes wurden neben den spanischen Republikanern französische Juden interniert - und später nach Auschwitz deportiert. In den Konzentrationslagern lag die Kindersterblichkeit bei 95 Prozent. Das größte KZ Frankreichs entstand in Gurs. Bewacht wurde es von Franzosen. 60 Jahre lang hätte man am liebsten alle Spuren verschwinden lassen. Erst in den letzten Jahren begann Frankreich, sich mit dieser dunklen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine Barracke wurde wieder aufgebaut. Es ist ein Mahnmal für die 61.000 Menschen, die hier interniert waren: Franco-Gegner, Zigeuner und Juden.

Im Oktober 1940 wurden auch 6500 deutsche Juden nach Gurs deportiert. Es waren die einzigen Deportationen in Richtung Westen. Eine Irrfahrt, die für die meisten 1943 in Auschwitz endete. "Ein großer Teil ist deportiert worden", so Elisabeth Eidenbenz. "Einige Tausend". Man habe nicht viel machen können. Denn am Ende musste es eine bestimmte Zahl sein. Unerschrocken verteidigte sie die Frauen und Kinder ihrer "Maternité Suisse" - auch jüdische Frauen. "Für die ganze Region war es gut und schön, dass es in dem ganzen Kriegsgewirr eine Insel des Friedens gab", sagt Eidenbenz. Die Leute haben gesagt: "Solange die Maternité da ist, passiert uns nichts."

Am Wochenende vor Ostern 2002 kehrten rund sechzig der geretteten Frauen zur "Maternité Suisse" zurück, um „La Senorita„ zu ehren, wie sie von den Überlebenden noch heute genannt wird. Darunter waren Spanierinnen, Jüdinnen und Roma. Die 98-jährige Celia Garcia kehrte zusammen mit ihrer Tochter in die Geburtenklinik zurück, wo sie 1941, inmitten von Krieg und Elend, ihr Kind auf die Welt gebracht hatte. "Es ist immer noch sehr bewegend, hierher zu kommen", sagte sie. "Schließlich habe ich hier vier Jahre verbracht. Ein Glück, dass wir hier bleiben konnten. Sonst weiß ich nicht, wie wir überlebt hätten." Dank Elisabeth Eidenbenz habe ihre Mutter diese schwierigen Jahre durchstehen können, sagt Celia Carré-Garcia. "Dass ich überhaupt am Leben bin, habe ich der Maternité zu verdanken." "Anfangs hatten wir im Lager nichts, um uns vor der Kälte zu schützen" erinnert sich Celia Garcia. "Später haben wir uns mit Decken und Stöcken eine Art Zelt gebaut. Aber wir mussten trotzdem auf dem kalten und feuchten Boden schlafen." Celia Garcia und ihre Tochter haben jeden Tag ihres Lebens an Elisabeth Eidenbenz gedacht.

Mit ihrem unerschrockenen Einsatz hat Elisabeth Eidenbenz auch verfolgte Jüdinnen und ihre Familien vor der Deportation bewahrt. Für diese Tätigkeit wurde sie vom Staat Israel ausgezeichnet. Guy Eckstein, der damals in der Maternité zur Welt kam, sagt über seine Retterin: "Elisabeth Eidenbenz hat nach ihrem Gewissen gehandelt. Wenn ich heute auf der Welt bin, ist es allein ihr zu verdanken." In der Schweiz weiss man bis heute wenig über das beherzte Engagement von Elisabeth Eidenbenz im Zweiten Weltkrieg - damals ein Hoffnungsschimmer in düsterer Zeit.
Für ihren Mut und ihre außergewöhnliche Entschlossenheit wurde Elisabeth Eidenbenz vom israelischen Generalkonsul der Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" verliehen. Anfang April 2006 wurde ihr in der spanischen Botschaft in Wien das Goldene Ehrenkreuz des Ordens Civil de la Solidaridad verliehen. Sie ist Ehrenbürgerin der Stadt Elne. Ende Mai 2007 wurde sie von der französischen Regierung in die Ehrenlegion aufgenommen, was in den Nachrichten im Schweizer Fernsehen als Ritterschlag erwähnt wurde. Über das Lebenswerk von Elisabeth Eidenbenz sind in Frankreich und Spanien mehrere Bücher erschienen.

Kinder sind die ersten Opfer der Kriege, heute wie zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die damals 24-jährige Zürcher Lehrerin Elisabeth Eidenbenz hatte das früh erkannt. Ihrem mutigen und selbstlosen Einsatz ist es zu verdanken, dass 600 Kinder und ihre Mütter zu Zeiten der Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen überlebt haben. Der Film "SPUREN DER ZEIT: Ein Herz für Kinder" des Schweizer Fernsehens ist eine Hymne an die fast unbekannte, grosse Schweizerin, die den Teufel nicht gefürchtet hat.

Die heute über 90-jährige Schweizerin mag für ihre Taten nicht gerühmt werden. "Wenn die Not gross ist, so stellt man keine Fragen. Man hilft und man tut, was man kann», kommentierte Elisabeth Eidenbenz ihren Einsatz, der ihr ganzes späteres Leben prägte. Bis ins hohe Alter arbeitete sie in der Kinderbetreuung, schenkte ihre reiche Erfahrung und ihr ganzes Wissen der Erziehung benachteiligter Kinder. Sie lebt heute in der Nähe von Wien in Österreich.

pml

   

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