Anna Göldi - Rehabilitation

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226 Jahre sind vergangen bis ins Jahr 2008, seit im Kanton Glarus Anna Göldi enthauptet wurde. Anna Göldi war die letzte von schätzungsweise zehn Millionen Frauen, die in Europa dem Teufelswahn zum Opfer fielen. Nun wurde sie rehabilitiert. Der Glarner Regierungsrat kündigte im Juni 2008 ihre Entlastung vom Tatbestand der "Vergiftung" an. Göldi sei somit als nicht schuldig zu erkennen, hiess es in der Mitteilung. Zugleich stellte die Regierung dem Parlament den Antrag, den nicht rechtmässigen Prozess von 1782 als "Justizmord" zu qualifizieren. Die Rehabilitierung erfolgte in Absprache mit der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Landeskirche. Die Rehabilitierung Anna Göldis bedeutet laut der Regierung mehr als eine einfache Unschuldsbestätigung. "Ein unverständlicher und ungerechter staatlicher Akt, krasses Unrecht und ein gravierendes Fehlurteil sollen beseitigt werden", heisst es in der Mitteilung.

Illegales Urteil

Im Bericht an das Parlament rekapitulierte die Kantonsregierung die leidvolle Lebensgeschichte der angeblichen Hexe Anna Göldi. Das Todesurteil sei durch eine nicht zuständige Instanz, den Evangelischen Rat, gefällt worden. Diese Instanz habe an ihrer Kompetenz festgehalten und den Schuldspruch festgelegt, obschon die damalige Rechtsordnung kein Todesurteil für Nicht-Glarner zugelassen und keinen solchen Tatbestand gekannt habe.
Noch unverständlicher sei die Tatsache, dass der ganze Prozess vom 16. Juni 1782 in die Zeit der Aufklärung gefallen sei und die Urteilenden sich als gebildete Leute betrachtet hätten. Die Behörden hätten damals eine unschuldige Person gefoltert und hinrichten lassen, obwohl ihnen bekannt war, dass das Vorgeworfene weder machbar noch möglich war. Die Behörden hätten auch gewusst, dass für ihr Urteil keine Rechtsgrundlage bestand. Der Begriff "Justizmord" ist laut der Glarner Regierung die Umschreibung für die Hinrichtung einer unschuldigen Person durch ein Organ der Justiz und macht die Tragweite des damaligen Urteils "erschreckend deutlich".

Die Rehabilitation bedeute nicht einen Schlussstrich, erklärte die Glarner Regierung. "Anna Göldi wird als Symbolfigur als Mahnmal für Aufmerksamkeit gegen Ungerechtigkeit weiterleben, wo immer es nötig ist", schrieb die Regierung. Heute sei dies insbesondere beim Menschenhandel der Fall. Mit falschen Versprechungen angelockte junge Frauen hätten in entwürdigenden Verhältnissen zu leben, indem sie zu ausbeuterischer, verletzender Zwangsarbeit oder zum Ertragen von gewalttätigen Beziehungen genötigt würden. Ihnen sei, so vor allem ein Anliegen der Landeskirchen, zum Recht zu verhelfen und beizustehen.

Gefoltert und Hingerichtet

Anna Göldi war im Prozess von 1782 beschuldigt worden, als Magd beim Glarner Arzt, Ratsherrn, Richter und Regierungsrat Johann Jakob Tschudi mehrmals Stecknadeln in die Milch der Tschudi-Tochter Annemiggeli gelegt oder gezaubert zu haben. Nach Aussagen von Angehörigen der Familie Tschudi soll das Mädchen mehrfach Nadeln (Gufen) gespuckt haben. Wegen Verzauberung des achtjährigen Mädchens wurde Anna Göldi daraufhin der Hexerei beschuldigt.
Im anschliessenden Gerichtsprozess gab Göldi unter Folter zu, die Kräfte des Teufels zu nutzen. Der Glarner Rat verurteilte sie am 13. Juni 1782 wegen des Tatbestandes des «Verderbens» zum Tod durch das Schwert. Sie wurde kurz darauf als vermeintliche Giftmörderin durch das Schwert hingerichtet. In der Urteilssprechung wurde der Vorwurf der Hexerei vermieden. Die Gerichtsakten wurden grösstenteils vernichtet.

Kehrtwende der Regierung

Noch im März 2007 hatten sowohl die Kantonalregierung als auch der reformierte Kantonalkirchenrat eine Rehabilitation Anna Göldis anlässlich ihres 225. Todestages abgelehnt, weil sie im Bewusstsein der Glarner Bevölkerung bereits rehabilitiert sei. Im November 2007 überwies der Glarner Landrat eine Motion an den Regierungsrat mit dem Auftrag, Anna Göldi zu rehabilitieren. Damit wurde der Weg zur Rehabilitation von Anna Göldi frei.

Stiftung und Museum

Zum 225. Jahrestag von Anna Göldis Tod wurde 2007 eine Stiftung gegründet, deren prominentestes Mitglied alt Bundesrätin Elisabeth Kopp ist. Am 22. September 2007 war in Mollis zudem ein Anna Göldi-Museum eingeweiht worden.

 pml

   

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