Kaffee mit Muttermilch

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Jolanda Spirig-Zünd

 

Unterordnung war die Regel, für ein Privatleben fehlte die Zeit

Jolanda Spirig-Zünd beschreibt in ihrem Buch "Kaffee mit Muttermilch" die Erinnerungen der Krankenschwester Rosa Leuppi, die während vierzig intensiven und ereignisreichen Berufsjahren im Dienste von Spitälern, Ärzten, Patientinnen und Patienten stand. Die Lebenserinnerungen der passionierten Krankenschwester geben Einblick in den Pflegealltag von Schweizer Akutspitälern zwischen 1924 und 1964.

"Der 1. Mai 1924 war ein strahlender Tag. Stramm marschierte ich mit meinem Reisekorb vom Bahnhof zur Krankenstation Aarau." Mit diesen Sätzen beginnt die Erzählung der Rosa Leuppi, die sich an die Zeiten als Krankenschwester und Hebamme an verschiedenen Spitäler erinnert. Sie schildert wie sie als Lernschwester in die Pflege hilfsbedürftiger und manchmal auch schwieriger Patienten eingeführt wurde. Sie erzählt von der Hierarchie, die unter dem Pflege- und Ärzteteam herrschte und über die gute und schlechte Zusammenarbeit unter Schwestern und Ärzten. Ergreifend sind die Schicksale verschiedener Patienten, wie die Mutter, die bei der Geburt ihres zehnten Kindes stirbt oder die Geschichte der "verpfuschten" Frau. Erstaunlich ist auch die Bereitschaft, wie Rosa Leuppi auf so vieles verzichtete, um den Kranken voll zu Diensten zu stehen. Sie ist eine Krankenschwester mit Leib und Seele. Spannend ist auch das Gespräch im letzten Kapitel, das Rosa Leuppi mit jüngeren Krankenschwestern führt. Sie kommt zum Schluss: "Wir hätten uns wehren sollen, auch damals." Ein Buch, nicht nur für Frauen, die in der Krankenpflege arbeiten, sondern für alle Frauen, die gerne Lebensgeschichten lesen.

Kaffee mit Muttermilch, Erinnerungen der Krankenschwester Rosa Leuppi.
Chronos Verlag Zürich, 1998 - ISBN 3-9051312-61-1

   

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